{"id":128,"date":"2015-02-13T15:10:13","date_gmt":"2015-02-13T13:10:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blau45.de\/test1\/?page_id=128"},"modified":"2015-11-05T14:41:25","modified_gmt":"2015-11-05T12:41:25","slug":"stellungnahme-foerderung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/?page_id=128","title":{"rendered":"2005 Stellungnahme F\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stellungnahme der LAG &#8222;Autismus macht Schule in Niedersachsen&#8220; zum Erlass sonderp\u00e4dagogische F\u00f6rderung des Nds. Kultusministeriums im Jahr 2004<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Kultusminister Busemann,<br \/>\nSehr geehrter Herr Dr. Wachtel,<\/p>\n<p>die Landesarbeitsgemeinschaft &#8222;Autismus macht Schule in Niedersachsen&#8220; ist ein interessenbezogener Zusammenschluss nieders\u00e4chsischer Selbsthilfegruppen, Vereine, Verb\u00e4nde und Ambulanzen, die sich mit der Lebenssituation von Menschen mit Autismus und deren Angeh\u00f6rigen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Interesse haben wir die Ver\u00f6ffentlichung des nun zur Anh\u00f6rung stehenden Erlasses zur sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderung zur Kenntnis genommen, da sich f\u00fcr uns die Hoffnung daran kn\u00fcpfte, dass nun endlich auch in Niedersachsen die Belange von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen mit Autismus darin Eingang finden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der uns nun vorliegende Erlassentwurf beansprucht die grundlegende Regelung f\u00fcr alle Kinder und Jugendlichen mit sonderp\u00e4dagogischem Unterst\u00fctzungs- und F\u00f6rderbedarf zu leisten . seinen &#8222;Geist&#8220;, sein Menschenbild und den allgemeinen Anspruch, eine gr\u00f6\u00dfere Flexibilit\u00e4t in der individuellen F\u00f6rderung zu etablieren, begr\u00fc\u00dfen wir. Der angestrebte Paradigmenwechsel von der Defizitorientierung hin zur ganzheitlichen Orientierung, von der institutionsbezogenen zur personenbezogenen Sichtweise ist unbedingt zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Erstaunen mussten wir allerdings feststellen, dass die Unterst\u00fctzungs- und F\u00f6rderbed\u00fcrfnisse von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen mit Autismus vergessen wurden.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr uns als M\u00fctter und V\u00e4ter, als Schulbegleiter und Schulbegleiterinnen, als Lehrer und Lehrerinnen, als Therapeuten und Therapeutinnen, als \u00c4rzte und \u00c4rztinnen von Kindern und Jugendlichen mit Autismus nicht zu akzeptieren!<br \/>\nDenn:<\/p>\n<p>1. Bereits im Jahr 2000 hat die St\u00e4ndige Konferenz der Kultusminister der L\u00e4nder der Bundesrepublik Deutschlands &#8222;Empfehlungen zur Erziehung und Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Darin kam deutlich zum Ausdruck, dass es sich bei Autismus um eine tiefgreifende Entwicklungsst\u00f6rung handele, die einen eigenen F\u00f6rderschwerpunkt ben\u00f6tige.<\/p>\n<p>Mit dem Kanon der F\u00f6rderschwerpunkte des nun vorliegenden Erlasses, l\u00e4sst sich der Unterst\u00fctzungs- und F\u00f6rderbedarf von Kindern und Jugendlichen mit Autismus nicht hinreichend beschreiben. Mit der Vorstellung einer blo\u00dfen additiven Zuordnung, beispielsweise zu den F\u00f6rderschwerpunkten &#8222;sozial-emotionale Entwicklung&#8220; und &#8222;Lernen&#8220; wird man den umfassenden und gleichzeitig spezifischen F\u00f6rder- und Unterst\u00fctzungsbed\u00fcrfnissen der Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mit autistischem Verhalten \u00fcberhaupt nicht gerecht. Eine grundlegende, umfassende und zugleich spezifische Beschreibung in einem eigenen F\u00f6rderschwerpunkt Autismus ist dringend erforderlich.<\/p>\n<p>2. Im &#8222;Erlass zur Klassenbildung und Lehrerstundenzuweisung an den allgemeinbildenden Schulen von 2004&#8220; werden ausdr\u00fccklich die Bed\u00fcrfnisse von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen mit Autismus erw\u00e4hnt und auf die Notwendigkeit der Erstellung eines antragsf\u00e4higen, individuellen F\u00f6rderkonzeptes hingewiesen.<\/p>\n<p>In Korrespondenz dazu l\u00e4ge die Ausweisung eines eigenen F\u00f6rderschwerpunktes Autismus auf der Hand. In der Tat aber findet die verbreitete Unsicherheit und Ratlosigkeit unter damit betrauten Lehrern und Lehrerinnen keine orientierende erlassliche Entsprechung. Der vorliegende Erlass bleibt an dieser Stelle weit hinter den eigenen Anforderungen ihres Ministeriums zur\u00fcck!<\/p>\n<p>3. Ein dringender Handlungsbedarf zur Einbeziehung der schulischen Bed\u00fcrfnisse von Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten im vorliegenden Erlass ergibt sich dar\u00fcber hinaus auch dann, wenn man die H\u00e4ufigkeit von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen mit Autismus in nieders\u00e4chsischen Schulen vergegenw\u00e4rtigt:<br \/>\nZwar schwanken die Angaben zur allgemeinen H\u00e4ufigkeit von Autismus auch unter den damit befassten Forschergruppen, es gibt keine zentrale Datenbank hierzu, als allgemein anerkannt gilt aber die Studie von Chakrabarti\/Fombonne aus dem Jahr 2001. Demnach kann man von einer H\u00e4ufigkeit der Personen aus dem gesamten autistischen Spektrum von 2,52\u00b0\/\u00b0\u00b0 ausgehen.<\/p>\n<p>1 Chakrabarti, S. &amp; Fombonne, E. (2001). Pervasive developmental disorders in preschool children. The Journal of the American Medical Assosiation, 285, 3093-3099.<br \/>\nDie Studie wurde in S\u00fcdengland durchgef\u00fchrt. Population 15.500 Kinder im Alter von 2.5 bis 6.5 Jahren. Im: &#8222;Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie&#8220;, Hrsg. M. D\u00f6pfner, G. Lehmkuhl, F. Petermann, Band 5, Autistische St\u00f6rungen, F. Poustka, S. B\u00f6lte, S. Feineis-Mathews u. G. Schm\u00f6tzer, Hogrefe 2004, S.17f.<\/p>\n<p>Hochgerechnet auf die 991.201 nieders\u00e4chsischen Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen des Schuljahres 2003\/2004, ist von 2497 Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen mit Autismus an den nieders\u00e4chsischen Schulen auszugehen.<\/p>\n<p>2 Die statistischen Angaben zur schulischen Situation von autistischen Kindern und Jugendlichen ihres Hauses 3 beschreiben sowohl das Ausma\u00df \u2013 09\/2003: 337 Kinder und Jugendliche mit Autismus, bzw. 02\/2004: 364 Kinder und Jugendliche mit Autismus &#8211; als auch den Ist-Zustand ihrer schulischen Versorgung nicht hinreichend:<\/p>\n<p>a)In ihrer Statistik sind lediglich diejenigen Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen erfasst, bei deren sonderp\u00e4dagogischem Gutachten die autistische Entwicklungsbeeintr\u00e4chtigung als zentral verstanden wurde. Diese Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen werden mit durchschnittlich 4 F\u00f6rderlehrerstunden versorgt.<br \/>\nH\u00e4ufig findet aber bei der g\u00e4ngigen Praxis der Erstellung des sonderp\u00e4dagogischen Gutachtens die medizinische Diagnose aus dem autistischen Spektrum lediglich eine marginale Ber\u00fccksichtigung.<\/p>\n<p>b)In den vorliegenden statistischen Angaben findet sich kein Hinweis auf die Versorgungsnotwendigkeit mit Stunden der Eingliederungshilfe nach BSHG, bzw. nach Kinder- und Jugendhilfe. Gerade aber f\u00fcr Kinder und Jugendliche mit Autismus ist die personelle Unterst\u00fctzung durch diese Leistungen h\u00e4ufig erst die Voraussetzung f\u00fcr einen gelingenden Schulbesuch &#8211; ob mit oder ohne extra ausgewiesenem sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf.<\/p>\n<p>c)Regionale L\u00fccken in ihrer Statistik widerspiegeln, das verbreitete, noch immer erschreckende Unwissen vieler Lehrer und Lehrerinnen hierzu. Die vielen Anfragen von Lehrern und Lehrerinnen, F\u00f6rderschullehrern und F\u00f6rderschullehrerinnen, Schulaufsichtsbeamten, Eltern, Schulbegleitern und Gesundheitsamts\u00e4rzten sind oft gekennzeichnet von Ratlosigkeit, Hilflosigkeit und Unsicherheit. Sie offenbaren uns einen gro\u00dfen Aufkl\u00e4rungs-, Beratungs- und Unterst\u00fctzungsbedarf, im Besonderen auch einen Bedarf nach begleitender Zusammenarbeit.<br \/>\nUnd dies f\u00fcr weit mehr als die von ihnen genannten 364 Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen landesweit!<\/p>\n<p>d) Die in Privatschulen (Erg\u00e4nzungs- und Ersatzschulen) unterrichteten Kinder und Jugendlichen mit autistischem Verhalten finden keine Ber\u00fccksichtigung. Erg\u00e4nzend hierzu:<br \/>\nF\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre ist aufgrund des sich verbreiternden Wissens von einer Zunahme der Diagnosestellung auszugehen.<\/p>\n<p>2 Aus: die nieders\u00e4chsischen allgemein bildenden Schulen in Zahlen , Stand: Schuljahr 2003\/2004,Nieders\u00e4chsisches Kultusministerium<\/p>\n<p>3 Vgl. Angaben hierzu von Ref.34, Stand 09\/2003 und 02\/2004<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten sie auffordern, die landesweit schwierige schulische Situation von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen mit Autismus und ihrer Lehrer und Lehrerinnen zur Kenntnis zu nehmen und f\u00fcr all die dabei eingebundenen Personen einen Orientierungsrahmen in Form eines eigenen F\u00f6rderschwerpunktes Autismus zu schaffen.<\/p>\n<p>Hierzu legen wir ihnen eine eigene Konzeption, in Anlehnung an die oben erw\u00e4hnten Empfehlungen der Konferenz der Kultusminister der L\u00e4nder der Bundesrepublik Deutschland von 2000 vor.<\/p>\n<p>Aus unserer Erfahrung heraus ist dadurch keine zus\u00e4tzliche Stigmatisierung oder unzul\u00e4ssige Kategorisierung der auch uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen mit autistischem Verhalten zu bef\u00fcrchten. Uns geht es vielmehr um die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Einl\u00f6sung des fachlichen Anspruchs nach angemessener sonderp\u00e4dagogischer Unterst\u00fctzung und F\u00f6rderung auch f\u00fcr Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mit Autismus in Niedersachsen. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf, im Rahmen des uns vorliegenden, neuen grundlegenden Erlasses.<\/p>\n<p>Dieses Schreiben haben wir auch dem ihrem Schreiben beiliegendem Verteiler mit der Bitte um Kenntnisnahme und Unterst\u00fctzung unseres Anliegens zugesandt.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>B\u00e4rbel Cruz Portela<br \/>\nRenate Gerstmayer<br \/>\nUlrike Gugler<br \/>\nBeate Hengst<br \/>\nBernd Meiser<br \/>\nErika Weber<\/p>\n<p>Anlagen:<br \/>\n1. Konzeption der Landesarbeitsgemeinschaft:<br \/>\nAutismus macht Schule in Niedersachsen: &#8222;Zus\u00e4tzlicher F\u00f6rderschwerpunkt Autismus&#8220;<br \/>\n2. Verteiler<br \/>\nDiese Stellungnahme wird unterst\u00fctzt durch Die Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen Niedersachsen e.V.<\/p>\n<p>Anlage 1:<br \/>\nzus\u00e4tzlicher F\u00f6rderschwerpunkt:<br \/>\n8. F\u00f6rderschwerpunkt Autismus<br \/>\n8.1. Sonderp\u00e4dagogischer F\u00f6rderbedarf mit dem Schwerpunkt Autismus<br \/>\nAufgrund ihrer ver\u00e4nderten Entwicklungs- und Lerngegebenheiten bed\u00fcrfen Kinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten im Unterricht besonderer p\u00e4dagogischer Unterst\u00fctzung.<br \/>\nBei den meisten Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten besteht sonderp\u00e4dagogischer F\u00f6rderbedarf. Dieser kann f\u00fcr das einzelne Kind oder den einzelnen Jugendlichen durch das Zusammenwirken physiologischer, psychischer, erzieherischer und sozialer Faktoren bedingt sein. Es sind deshalb medizinisch-therapeutische, psychologische, p\u00e4dagogische, soziale sowie pflegerische und technische Hilfen notwendig, ggf. mit der Unterst\u00fctzung durch au\u00dferschulische Ma\u00dfnahmetr\u00e4ger.<br \/>\nHierbei ist eine Abstimmung verschiedener Ma\u00dfnahmen und Hilfen erforderlich, die es in ein p\u00e4dagogisches F\u00f6rderkonzept einzuarbeiten gilt. Erkenntnisse aus der bisherigen F\u00f6rderung, Informationen \u00fcber weitere Funktionsbeeintr\u00e4chtigungen und Bedingungen des Umfelds bestimmen den individuellen Sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf.<\/p>\n<p>8.2. p\u00e4dagogische Ausgangslage<br \/>\nBei Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten liegt eine tiefgreifende Entwicklungsst\u00f6rung vor. Ihre Lebenssituation ist durch sensorische, motorische, emotionale und soziale Probleme erschwert. Auspr\u00e4gung und Intensit\u00e4t des autistischen Verhaltens sind bei Kindern und Jugendlichen unterschiedlich. Autistisches Verhalten ist in seinem jeweiligen Erscheinungsbild nicht unver\u00e4nderbar, sondern durch Erziehung, Unterricht, F\u00f6rderung und Therapie langfristig beeinflussbar.<\/p>\n<p>Sonderp\u00e4dagogische F\u00f6rderung kn\u00fcpft grunds\u00e4tzlich an die individuelle Ausgangslage des einzelnen Kindes und Jugendlichen an. Um die oft schwer zug\u00e4nglichen tats\u00e4chlichen F\u00e4higkeiten und St\u00e4rken dieser Kinder und Jugendlichen zu erkennen, ist eine begleitende Diagnostik unverzichtbar. Differenzierte F\u00f6rderangebote m\u00fcssen dabei dem jeweiligen Entwicklungsstand sowie dem Erleben und Verhalten der Kinder und Jugendlichen angepasst werden.<\/p>\n<p>Autistisches Verhalten steht im Zusammenhang mit Beeintr\u00e4chtigungen<\/p>\n<p>&#8211; der kommunikativen Aufnahme-, Verarbeitungs- und Darstellungsf\u00e4higkeit,<br \/>\n&#8211; der F\u00e4higkeit , ein Gegen\u00fcber zu erkennen und sich auf Beziehungen einzulassen,<br \/>\n&#8211; der F\u00e4higkeit, Kommunikationsangebote zu verstehen,<br \/>\n&#8211; der Bereitschaft, Kommunikation und Interaktion zuzulassen und herzustellen,<br \/>\n&#8211; der Selbsteinsch\u00e4tzung und des Zutrauens,<br \/>\n&#8211; der Selbstbehauptung und der Selbstkontrolle,<br \/>\n&#8211; der F\u00e4higkeit, sich auf Anforderungen einzustellen,<br \/>\n&#8211; des situations-, sach-, und sinnbezogenen Lernens,<br \/>\n&#8211; der Durchhaltef\u00e4higkeit im Lernprozess,<br \/>\n&#8211; der \u00dcbernahme von Handlungsmustern,<br \/>\n&#8211; der selbst\u00e4ndigen Aufgabengliederung, der Planungsf\u00e4higkeit und des sachangemessenen und zielgerichteten Handlungsvollzugs.<\/p>\n<p>8.3. Ermittlung des sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarfs<br \/>\nVielf\u00e4ltige Erscheinungsformen und h\u00e4ufig nicht erkennbare Ursachen erschweren die Diagnostik autistischen Verhaltens. In jedem Fall werden die Ergebnisse der Diagnostik anderer Fachdisziplinen ber\u00fccksichtigt.<br \/>\nDie Annahme autistischen Verhaltens beruht auf einer fach\u00e4rztlichen Diagnose, auf freier und gebundener Verhaltensbeobachtung und auf einer Anamnese und Exploration, bei denen Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Therapeutinnen und Therapeuten einbezogen werden.<\/p>\n<p>8.4. Ziele und Aufgaben<br \/>\nSonderp\u00e4dagogische F\u00f6rderung unterst\u00fctzt und begleitet Kinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten, die in ihrer geistigen Entwicklung schwer beeintr\u00e4chtigt, aber auch hochbegabt sein k\u00f6nnen. Ihre F\u00f6rderung ist die Aufgabe aller Schulformen. Die Unterschiedlichkeit der Auspr\u00e4gung der autistischen Verhaltensweisen erfordert eine individuelle Ausrichtung der p\u00e4dagogischen Ma\u00dfnahmen. Erziehungsziele, unterrichtliche Inhalte und Methoden m\u00fcssen an der Individualit\u00e4t und an den p\u00e4dagogischen Bed\u00fcrfnissen des einzelnen Kindes oder Jugendlichen ankn\u00fcpfen.<br \/>\nDie Kinder und Jugendlichen mit autistischen Verhalten sind auf interaktive Zusammenh\u00e4nge angewiesen, die durch soziale und emotionale Signale erfahrbar sind und durch Reaktionen auf Emotionen anderer Menschen ge\u00fcbt werden k\u00f6nnen. Sie ben\u00f6tigen eine F\u00f6rderung, die Anl\u00e4sse schafft, Wahrnehmung und Emotionalit\u00e4t zu entwickeln sowie Anpassungsbereitschaft anzubahnen und Kommunikation in vielf\u00e4ltigen Ausdrucksformen einzu\u00fcben.<br \/>\nKinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten ben\u00f6tigen Menschen, die ihre individuellen Ausdrucksformen verstehen und die durch die Vermittlung von geeigneten Kommunikationsformen und durch angemessenen Umgang vertrauensvolle Beziehungen zu ihnen aufnehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nAus dem Sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf von Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten erw\u00e4chst ein komplexes Aufgabenfeld der F\u00f6rderung, das die Entwicklung der k\u00f6rperlichen und geistigen, der emotionalen und sozialen sowie der kommunikativen F\u00e4higkeiten in allen Teilbereichen einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>8.5. Formen und Orte sonderp\u00e4dagogischer F\u00f6rderung im Schwerpunkt Autismus<br \/>\nDie F\u00f6rderung von Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten erfolgt in unterschiedlichen F\u00f6rderformen und an unterschiedlichen F\u00f6rderorten, eigene Schulen gibt es f\u00fcr sie nicht. Zunehmend werden Formen der gemeinsamen Erziehung und Unterrichtung an unterschiedlichen Lernorten erprobt.<\/p>\n<p>Zu Beginn der schulischen Bildung kann Einzelf\u00f6rderung notwendig sein. Diese ist dann angezeigt, wenn angemessene individuelle Lern- und Arbeitsverhaltensweisen aufgebaut werden, um in einer Gruppen- oder Klassensituation bestehen zu k\u00f6nnen. In besonders begr\u00fcndeten F\u00e4llen k\u00f6nnen Einzelma\u00dfnahmen auch im Hausunterricht durchgef\u00fchrt werden. Sonderp\u00e4dagogische F\u00f6rderung im gemeinsamen Unterricht Kinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten sollen weitgehend in den gemeinsamen Unterricht einbezogen werden. Durch Beobachtungslernen k\u00f6nnen alle Kinder und Jugendlichen ihre Verhaltensmuster in Sprache und Kommunikation, in Bewegung und im Umgang miteinander erweitern und differenzieren.<br \/>\nIm gemeinsamen Unterricht werden die didaktischen Grunds\u00e4tze des Unterrichts, vor allem Individualisierung und Differenzierung, welche die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten pr\u00e4gen, verwirklicht.<\/p>\n<p>Das Aufgabenfeld der sonderp\u00e4dagogischen Lehrkr\u00e4fte im gemeinsamen Unterricht bezieht sich im Wesentlichen auf:<\/p>\n<p>&#8211; die F\u00f6rderung der Bewegungs-, Wahrnehmungs-, und Handlungsf\u00e4higkeit,<br \/>\n&#8211; die F\u00f6rderung der kognitiven, emotionalen, sozialen und kommunikativ-sprachlichen Entwicklung,<br \/>\n&#8211; der Vernetzung mit anderen Diensten,<br \/>\n&#8211; die Aufstellung und Fortschreibung der F\u00f6rderpl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Sonderp\u00e4dagogische F\u00f6rderung in F\u00f6rderschulen<br \/>\nKinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten, deren F\u00f6rderung in einer allgemeinen Schule nicht ausreichend gew\u00e4hrleistet werden kann, besuchen F\u00f6rderschulen mit unterschiedlichen F\u00f6rderschwerpunkten.<br \/>\nSie beziehen im Einzelfall Hilfen anderer Ma\u00dfnahmetr\u00e4ger ein. Unterricht und Erziehung werden auf die jeweiligen Bed\u00fcrfnisse des einzelnen Kindes oder Jugendlichen abgestimmt und im p\u00e4dagogischen Gesamtangebot f\u00fcr die Klasse verwirklicht.<br \/>\nKinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten k\u00f6nnen teils in allgemeinen Schulen, teils in F\u00f6rderschulen unterrichtet werden. F\u00fcr sie bietet die F\u00f6rderschule zur Vorbereitung und Erg\u00e4nzung des gemeinsamen Unterrichts die notwendige sonderp\u00e4dagogische Unterst\u00fctzung. Dies bedingt ein enges Zusammenwirken von allgemeinen Schulen und F\u00f6rderschulen.<\/p>\n<p>8.6. Zusammenarbeit<br \/>\nDie besondere Situation der Kinder und Jugendlichen mit autistischem Verhalten macht eine B\u00fcndelung unterschiedlicher Kompetenzen und eine wechselseitige Verkn\u00fcpfung der F\u00f6rderangebote und -hilfen notwendig. Die F\u00f6rderung wird im engen Zusammenwirken der Lehrkr\u00e4fte unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten verwirklicht und gegebenenfalls mit au\u00dferschulischen Einrichtungen, Fachkr\u00e4ften und Beratungsdiensten abgestimmt. Gegenseitiger Austausch von Beobachtungen, Erfahrungen und Informationen \u00fcber die Entwicklung verhilft zu einer ganzheitlichen und kontinuierlichen F\u00f6rderung.<\/p>\n<p>8.7. Einsatz und Qualifikation des Personals<br \/>\nUnterricht und Erziehung f\u00fcr Kinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten verlangen spezifische Kompetenzen der Lehrkr\u00e4fte. Die Lehrkr\u00e4fte ben\u00f6tigen Kenntnisse und F\u00e4higkeiten, um die Erlebniswelt und Verhaltensweisen autistischer Menschen zu erkennen und zu verstehen. Unabdingbar sind das Wissen \u00fcber die Schweregrade und Auspr\u00e4gung autistischen Verhaltens und die F\u00e4higkeit zur lautsprachlichen, nichtlautsprachlichen und unterst\u00fctzenden Kommunikation. In die notwendig interdisziplin\u00e4r angelegte Aus- und Fortbildung sind Erfahrungen aus der F\u00f6rderung und Erkenntnisse der einschl\u00e4gigen Wissenschaftsdisziplinen einzubeziehen.<br \/>\nDer Unterricht f\u00fcr Kinder und Jugendliche mit autistischem Verhalten ist grunds\u00e4tzlich Aufgabe der Lehrkr\u00e4fte aller Schulen. In p\u00e4dagogisch-psychologischer und didaktischmethodischer Hinsicht m\u00fcssen die Belange autistischer Kinder und Jugendlicher ber\u00fccksichtigt werden. Regelm\u00e4\u00dfige Teilnahme an \u2013 ggf. auch l\u00e4nder\u00fcbergreifenden \u2013 Fortbildungsveranstaltungen ist notwendig.<\/p>\n<p>Anlage 2:<br \/>\nVerteiler:<br \/>\nLandeselternrat<br \/>\nLandessch\u00fclerrrat<br \/>\nAG kommunale Spitzenverb\u00e4nde<br \/>\nSchulhauptpersonalrat<br \/>\nHauptpersonalrat bei Nieders\u00e4chsischen Kultusministerium<br \/>\nKonf\u00f6deration Evangelischer Kirchen<br \/>\nKatholisches B\u00fcro Niedersachsen<br \/>\nDeutscher Gewerkschaftsbund<br \/>\nGewerkschaft Erziehung und Wissenschaft<br \/>\nDeutscher Beamtenbund<br \/>\nDeutscher Lehrerverband Niedersachsen<br \/>\nVer.di<br \/>\nVerband Bildung und Erziehung<br \/>\nVerband Deutscher Realschullehrer<br \/>\nSchulleitungsverband Niedersachsen<br \/>\nDeutsche Angestellten-Gewerkschaft<br \/>\nPhilologenverband Niedersachsen<br \/>\nVerband Nieders\u00e4chsischer Schulpsychologen e.V.<br \/>\nNieders\u00e4chsischer Elternverein e.V.<br \/>\nVDS Verband Sonderp\u00e4dagogik<br \/>\nSchulleitungsverband Niedersachsen<br \/>\nDeutsche Angestellten- Gewerkschaft<br \/>\nVerband Schulaufsicht Niedersachsen<br \/>\nSchulen in freier Tr\u00e4gerschaft<br \/>\nGanztagsschulverband<br \/>\nGrundschulverband e.V.<br \/>\nSozialverband Deutschland<br \/>\nLebenshilfe<br \/>\nLandesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben- Gemeinsam Lernen<br \/>\nEIFER<br \/>\nBundesverband Hilfe f\u00fcr das autistische Kind<br \/>\nB\u00fcro des Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen<br \/>\nBundesverband Hilfe f\u00fcr das autistische Kind, Hamburg<br \/>\nAn alle Mitglieder des Kultusausschusses des Nieders\u00e4chsischen Landtags<\/p>\n<p>Stand: 15.06.2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme der LAG &#8222;Autismus macht Schule in Niedersachsen&#8220; zum Erlass sonderp\u00e4dagogische F\u00f6rderung des Nds. Kultusministeriums im Jahr 2004 Sehr geehrter Herr Kultusminister Busemann, Sehr geehrter Herr Dr. Wachtel, die Landesarbeitsgemeinschaft &#8222;Autismus macht Schule in Niedersachsen&#8220; ist ein interessenbezogener Zusammenschluss nieders\u00e4chsischer Selbsthilfegruppen, Vereine, Verb\u00e4nde und Ambulanzen, die sich mit der Lebenssituation<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":344,"menu_order":12,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-128","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=128"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/128\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}