{"id":473,"date":"2015-03-11T15:21:44","date_gmt":"2015-03-11T13:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/?page_id=473"},"modified":"2025-11-19T23:01:44","modified_gmt":"2025-11-19T21:01:44","slug":"2012-stellungnahme-diagnostik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/?page_id=473","title":{"rendered":"2012 Stellungnahme Diagnostik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Standards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen<\/strong><br \/>\n<strong>Eine Stellungnahme der LAG Autismus Niedersachsen<\/strong><\/p>\n<p>Als PDF-Datei herunterladen: <a href=\"http:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Diagnosestandard_Lu_2013-04-21.pdf\">Diagnosestandard_Lu_2013-04-21<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Standards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen &#8211; Teil 1<\/strong><br \/>\n<strong>Erarbeitet von der Projektgruppe Diagnostik<\/strong><br \/>\n<strong>Bearbeitungsstand: Juni 2012<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Stellungnahme m\u00f6chten wir darlegen, was die in der Projektgruppe \u201eDiagnostik\u201c des Netzwerkes Autismus Niedersachen vertretenen Personen und Einrichtungen unter guter klinischer Praxis bez\u00fcglich der Diagnostik von Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen verstehen und dabei auch konkrete Empfehlungen geben. Damit wollen wir nicht in Konkurrenz zu den Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften treten, sondern verstehen unseren Beitrag als deren praxisnahe \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Wenn wir im Folgenden von \u201eSt\u00f6rungen\u201c sprechen, so ist unser Blick zun\u00e4chst auf Defizite und Abweichungen vom Normalen gerichtet. Diagnosen definieren sich dar\u00fcber. Unsere Haltung gegen\u00fcber dem Menschen als Ganzes dagegen ist umfassend und wertsch\u00e4tzend.<\/p>\n<p>In unserer Gruppe sind bislang leider keine Autismusexperten aus dem Erwachsenenbereich vertreten. Auch wenn das diagnostische Vorgehen prinzipiell nicht vom Alter der untersuchten Person abh\u00e4ngt, so sind unsere Aussagen doch gepr\u00e4gt von Untersuchern, die sich mit Kindern und Jugendlichen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr wen ist diese Stellungnahme gedacht?<\/p>\n<p>Diese Stellungnahme richtet sich an<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Menschen, die in den Diagnoseprozess eingebunden sind, z.B. Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus, selbst von Autismus Betroffene,<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Menschen, die beruflich mit Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen bei Personen, f\u00fcr die sie Verantwortung tragen, in Ber\u00fchrung kommen k\u00f6nnen, z.B. Erzieher, Lehrerinnen, \u00c4rzte, Mitarbeiterinnen in Einrichtungen der Jugendhilfe oder der Behindertenhilfe,<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Interessierte Laien.<\/p>\n<p>Diese Stellungnahme richtet sich nicht an Fachleute, die sich intensiv mit Autismus auseinandergesetzt haben und selbst Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen diagnostizieren. Diese kennen die Vorgehensweisen und einschl\u00e4gigen Leitlinien, die Sicherheit geben, eine den wissenschaftlich anerkannten Vorgehensweisen entsprechende Diagnostik durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wie ist diese Stellungnahme zustande gekommen und was m\u00f6chten wir erreichen?<\/p>\n<p>Eltern von Kindern mit Autismus haben das \u201eNetzwerk Autismus Niedersachsen\u201c 2007 angesto\u00dfen. Ausschlaggebend daf\u00fcr war die aus Elternsicht unbefriedigende schulische Situation vieler Kinder. Im Netzwerk sind mittlerweile neben Elterngruppen viele Einrichtungen und Fachleute vertreten, die sich professionell mit Autismus besch\u00e4ftigen; die Thematik ist nicht nur auf Schule begrenzt. Unsere Projektgruppe \u201eDiagnostik\u201c soll Forum f\u00fcr einen fachlichen Austausch sein.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund, dass Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen nicht immer fr\u00fch erkannt und die Kinder und Jugendlichen entsprechend gef\u00f6rdert werden, andererseits unbegr\u00fcndete Bef\u00fcrchtungen in Richtung Autismus auftreten k\u00f6nnen, m\u00f6chten wir sachliche Informationen zur Diagnostik geben. Die Leser sollen die wesentlichen Schritte nachvollziehen k\u00f6nnen und verstehen, dass die Diagnostik von Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen ein komplexer Prozess ist.<\/p>\n<p>Die wesentlichen Verdachtsmomente f\u00fcr Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen werden altersbezogen beschrieben. Wir m\u00f6chten dazu anregen, bei entsprechendem Verdacht eine professionelle Diagnostik einzuleiten. Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen k\u00f6nnen so erkannt oder ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Allgemeine Bemerkungen zur Diagnostik:<\/p>\n<p>Im psychiatrischen Fachgebiet, dem Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen zugeordnet sind, ordnet der Untersucher das Bild, das der Patient bietet, aufgrund seiner Erfahrung und gegr\u00fcndet auf der Kenntnis dessen, was die Fachwelt unter den jeweiligen St\u00f6rungen und Erkrankungen versteht, diesen zu. Symptome, Beschwerden, Erlebnis- und Verhaltensweisen werden vom Untersucher wahrgenommen und in ihrer Bedeutung f\u00fcr die Diagnosestellung bewertet.<\/p>\n<p>Auf Autismus bezogen gibt es zwei St\u00f6rungsbilder, die in den 1940er Jahren unabh\u00e4ngig voneinander erstmals beschrieben wurden: das von Leo Kanner dargestellte Bild entspricht dem \u201efr\u00fchkindlichen Autismus\u201c, das von Hans Asperger dargestellte dem \u201eAsperger\u00adSyndrom\u201c.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich besteht zwar \u00dcbereinkunft \u00fcber die Einordnung menschlichen Verhaltens und Erlebens in gesund und krank, in normal und abweichend und die Zuordnung zu bestimmten St\u00f6rungskategorien und Krankheitsbildern.<\/p>\n<p>Dieser Konsens ist jedoch nicht unumstritten (was gilt als \u201enormal\u201c?), ist abh\u00e4ngig vom kulturellen Hintergrund und ver\u00e4ndert sich zudem mit der Zeit. So wird die Krankheitslehre immer weiter entwickelt, es werden neue Kategorien gebildet, St\u00f6rungsbilder definiert und zusammengefasst.<\/p>\n<p>Aktuell werden die beiden erw\u00e4hnten Auspr\u00e4gungen des Autismus als verschiedene Formen des sogenannten \u201eAutismus-Spektrums\u201c aufgefasst. Zuk\u00fcnftig steht also bei der Frage, ob Autismus vorliegt, nur die Einordnung zum \u201eAutismus-Spektrum\u201c im Raum, das in verschiedene Spielarten untergliedert ist.<\/p>\n<p>Das beschriebene klassische Vorgehen der Diagnosenbildung ist anf\u00e4llig f\u00fcr Unterschiede zwischen den Untersuchern: Zwei verschiedene Untersucher k\u00f6nnen durchaus das Bild, das ein- und derselbe Patient bietet, f\u00fcr die Diagnose unterschiedlich bewerten.<\/p>\n<p>Um dieser Subjektivit\u00e4t zu begegnen und Diagnosen nachvollziehbar zu machen, werden seit langem Klassifikationssysteme eingesetzt. Darin sind Kriterien beschrieben, die bei der jeweiligen St\u00f6rung auftreten m\u00fcssen oder k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Gebrauch sind das DSM\u00a0(Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer St\u00f6rungen) der Amerikanischen Gesellschaft f\u00fcr Psychiatrie und die ICD[1][2] (Internationale Klassifikation der Krankheiten) der Weltgesundheitsorganisation, aktuell das DSM IV und die ICD 10.<\/p>\n<p>Im Fall des Autismus sind die drei Kernsymptome: Beeintr\u00e4chtigungen der sozialen Interaktion, Beeintr\u00e4chtigungen der Kommunikation und die Neigung zu eingeschr\u00e4nkten, wiederkehrenden Interessen und Verhaltensweisen. Im ICD 10 ist Autismus im Kapitel F 84 unter \u201etiefgreifenden Entwicklungsst\u00f6rungen\u201c eingeordnet. Damit sind St\u00f6rungsbilder gemeint, die grunds\u00e4tzlich angeboren sind (auch wenn sie sich erst im Laufe der Zeit zeigen) und die Entwicklung der Person in ihrer Gesamtheit beeinflussen, nicht nur einzelne Bereiche.<\/p>\n<p>Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders<br \/>\nInternational Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems<\/p>\n<p>Kriterien der Klassifikationssysteme k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich in Form von Frageb\u00f6gen und Beobachtungsschemata strukturiert erfasst werden. Die Diagnosestellung wird damit objektiver und nachvollziehbarer. Ein weiterer Vorteil ist, dass auf diese Weise alle Kriterien abgefragt und erfasst werden.<\/p>\n<p>Neben die pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung des Untersuchers tritt damit ein Untersuchungsverfahren, das an vielen Menschen erprobt ist, von denen bekannt ist, dass sie nach den bisher g\u00fcltigen Kriterien die Erkrankung oder St\u00f6rung haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen gibt es solche diagnostischen Verfahren.<\/p>\n<p>Au\u00dfer der eigentlichen Diagnose kann mit Tests auch der Stand der kindlichen Entwicklung eingesch\u00e4tzt werden, man spricht dann von \u201eEntwicklungsalter\u201c.<\/p>\n<p>Auch die Intelligenz, also das, was unter der Gesamtheit der geistigen F\u00e4higkeiten verstanden wird, kann getestet werden. Es gibt sowohl Intelligenztests, f\u00fcr die Sprache erforderlich ist, als auch solche, die ohne Sprache auskommen. Immer m\u00fcssen nat\u00fcrlich eine Beziehung und irgendeine Art Kommunikation zwischen Untersucher und Proband m\u00f6glich sein; die Testaufgaben m\u00fcssen verstanden werden.<\/p>\n<p>Testungen, um den Entwicklungsstand und die Intelligenz zu erfassen, k\u00f6nnen sehr hilfreich sein, um die Diagnose besser einsch\u00e4tzen und Aussagen zur erforderlichen F\u00f6rderung machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Damit ein Test aussagekr\u00e4ftig ist, m\u00fcssen gen\u00fcgend Zeit und Ruhe zur Verf\u00fcgung stehen, die Mitarbeit des Probanden muss gew\u00e4hrleistet sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Tests gilt: Der Test misst, wonach der Test fragt, also die Kriterien, die nach dem Stand der Wissenschaft zur Diagnose oder zum jeweiligen Entwicklungsstand oder Intelligenzniveau geh\u00f6ren. Grunds\u00e4tzlich unterscheidet ein Test aber nicht mit letzter Sicherheit \u00fcber das Vorliegen oder Nichtvorliegen einer Diagnose oder Eigenschaft, sondern man kann mit dessen Hilfe eine mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit behaftete Aussage treffen, die auf den Antworten des Probanden und Beobachtungen des Untersuchers beruht.<\/p>\n<p>Die pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung des Untersuchers bleibt weiterhin sehr wichtig! Ein Untersuchungsverfahren kann immer nur ein Hilfsmittel bei der Diagnosefindung sein und darf nie absolut gesetzt werden!<\/p>\n<p>Im Fall der Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen sind Tests hilfreich, um bestimmte, typische Verhaltensweisen nicht zu \u00fcbersehen, die alleine in einem Gespr\u00e4ch nicht zum Tragen k\u00e4men.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ergibt sich die Diagnose bei Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen in der Zusammenschau aus Verhaltensbeobachtung und Kenntnis der Vorgeschichte, erg\u00e4nzt durch Angaben von Dritten (z.B. Eltern, Schule) unter Ber\u00fccksichtigung des Entwicklungsniveaus und der psychosozialen Situation. Wichtig ist, dass auch gegen\u00fcber anderen St\u00f6rungen abgegrenzt wird. Damit ist ein mehrdimensionales Vorgehen in der Diagnostik beschrieben, mit dem sich die St\u00f6rung gut einsch\u00e4tzen und Ans\u00e4tze f\u00fcr die Therapie ableiten lassen.<\/p>\n<p>Technische Untersuchungen (z.B. EEG, Bild gebende Methoden) spielen f\u00fcr die eigentliche Diagnosefindung (auf Autismus-Spektrum-St\u00f6rung bezogen) keine Rolle, sind bei der Abgrenzung und bei der Erfassung zus\u00e4tzlich vorliegender St\u00f6rungen aber sinnvoll.<\/p>\n<p>Der Diagnoseprozess kann bei einem klaren Bild z\u00fcgig abgeschlossen werden, er kann andererseits aber auch kompliziert und langwierig sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Standards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen &#8211; Teil 2<\/strong><br \/>\n<strong>Erarbeitet von der Projektgruppe Diagnostik<\/strong><br \/>\n<strong>Bearbeitungsstand: Juni 2012<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einleitung:<\/strong><\/p>\n<p>Eine qualifizierte Diagnostik bei Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-St\u00f6rung wird von darin qualifizierten Fachleuten durchgef\u00fchrt, die \u00fcber besondere Erfahrungen auf dem Gebiet der psychischen St\u00f6rungen und der Entwicklungsst\u00f6rungen bei Kindern und Jugendlichen verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Fachlich qualifiziert ausgef\u00fchrte Diagnostik bei Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen sollte nach Einsch\u00e4tzung der Arbeitsgruppe Diagnostik des Netzwerkes Autismus Niedersachsen immer mindestens der unten beschriebenen Basisdiagnostik (B) entsprechen. Erweiterte diagnostische Verfahren (E) k\u00f6nnen die Sicherheit der Diagnose deutlich erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind in besonderen F\u00e4llen erg\u00e4nzend bei Indikation (I) weitere diagnostische Ma\u00dfnahmen angezeigt.<\/p>\n<p><strong>Autismusspezifische Diagnostik:<\/strong><\/p>\n<p>Eine fachgerechte Diagnostik der Autismus-Spektrum-St\u00f6rung erfordert immer die Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) mittels einer gezielten, entwicklungs- und symptomorientierten Befragung der Eltern, gegebenenfalls auch anderer wesentlicher Bezugspersonen (B) sowie eine standardisierte klinische Verhaltensbeobachtung des Kindes oder Jugendlichen (B).<\/p>\n<p>Als Goldstandard werden derzeit dar\u00fcber hinaus der Einsatz eines Autismus-Screeningfragebogens (E), als standardisierte klinische Verhaltensbeobachtung die Durchf\u00fchrung des ADOS (Diagnostische Beobachtungsskala f\u00fcr autistische St\u00f6rungen) (E) sowie eine spezifische Autismusanamnese mit dem ADI-R (E) empfohlen.<\/p>\n<p>Screeningverfahren, also Suchtests, werden nicht zur Stellung einer Diagnose entwickelt, sondern dienen dem Diagnostiker dazu, Verdachtsdiagnosen zu finden und sind in der Regel auch f\u00fcr weitere psychische St\u00f6rungen sensitiv. F\u00fcr die Feststellung einer Autismus-Spektrum-St\u00f6rung sind sie nicht ausreichend. Aktuell im deutschsprachigen Raum eingesetzte Autismus-Screeningfrageb\u00f6gen sind z.B. der Fragebogen zur sozialen Kommunikation (FSK), die Marburger Beurteilungsskala zum Asperger-Syndrom (MBAS) sowie zur Fr\u00fcherkennung der M-CHAT (idealerweise bei einem Entwicklungsalter von 24 Monaten durchgef\u00fchrt).<\/p>\n<p>Der ADOS (E) ist ein standardisiertes Verfahren zur Erfassung von Kommunikation, sozialer Interaktion, Spielverhalten, stereotypem Verhalten und eingeschr\u00e4nkten Interessen und enth\u00e4lt Aufgaben und Aktivit\u00e4ten, bei denen das Auftreten oder Fehlen von Verhaltensweisen beobachtet werden kann, die f\u00fcr eine Autismus-Spektrum-St\u00f6rung typisch sind. Dabei werden gezielt soziale Situationen geschaffen, in denen eine bestimmte Verhaltensweise mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit auftritt. Je nach Alter, Entwicklungstand und Sprachniveau werden unterschiedliche Module des ADOS mit unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt. Die vom Untersucher dem Kind nahe gebrachten Aufgaben sind jeweils auf die Diagnosekriterien f\u00fcr Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen entsprechend den von der WHO herausgegebenen Richtlinien der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) hin konstruiert.<\/p>\n<p>Das Diagnostische Interview f\u00fcr Autismus ADI-R (E) ist eine strukturierte m\u00fcndliche Befragung zur Erhebung wichtiger, f\u00fcr die Diagnosestellung einer Autismus-Spektrum-<\/p>\n<p>St\u00f6rung relevanter Informationen. In der Regel wird der ADI-R mit einem Elternteil oder mit beiden Eltern zusammen durchgef\u00fchrt. Der Patient ist w\u00e4hrend des Interviews nicht anwesend.<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung von ADOS und ADI-R sind nur durch einen mit den Verhaltensbesonderheiten der autistischen Kinder und Jugendlichen erfahrenen Diagnostiker durchf\u00fchrbar. Eine qualitativ gesicherte Anwendung von ADOS und ADI-R verlangt immer unbedingt eine umfangreiche fachliche Weiterbildung des Untersuchers in diesen Verfahren.<\/p>\n<p>In besonderen F\u00e4llen kann optional eine l\u00e4ngere videodokumentierte Verhaltensbeobachtung (I) des Kindes oder Jugendlichen zur Diagnosefindung hilfreich sein.<\/p>\n<p>Die klinische Diagnosestellung erfolgt nach den Kriterien des in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen ICD-10 (B). Derzeit bestehen 4 verschiedene Autismusdiagnosen: \u201eFr\u00fchkindlicher Autismus\u201c, \u201eAtypischer Autismus\u201c, \u201eAsperger-Syndrom\u201c und \u201eTiefgreifende Entwicklungsst\u00f6rung, nicht n\u00e4her bezeichnet\u201c. Die zuk\u00fcnftige wissenschaftliche Entwicklung geht in die Richtung, die Differenzierung dieser 4 unterschiedlichen Autismusdiagnosen zugunsten einer einheitlichen Diagnose \u201eAutismus-Spektrum-St\u00f6rung\u201c aufzugeben.<\/p>\n<p><strong>Intelligenz- und Entwicklungsdiagnostik:<\/strong><\/p>\n<p>Eine fachliche Einsch\u00e4tzung des Entwicklungsstandes und der intellektuellen Leistungsf\u00e4higkeit ist f\u00fcr die Basisdiagnostik (B) einer fachgerechten Autismusdiagnostik unverzichtbar. Die Beurteilung erfolgt idealerweise mit standardisierten psychometrischen Intelligenz- und Entwicklungstestverfahren. Derzeit \u00fcblicherweise bei Kindern und Jugendliche vorwiegend eingesetzte Intelligenztestverfahren, die auch die Erfassung kognitiver Teilleistungst\u00f6rungen erm\u00f6glichen, sind der WPPSI-III, der HAWIK-IV oder der K-ABC. Zur orientierenden Erfassung des Intelligenzniveaus werden die Raven \u2013 Matrizen (CPM bzw. SPM) oder CFT 20-R angewandt. Zur Erfassung des Intelligenzniveaus nicht sprechender Kinder k\u00f6nnen die Snijders-Oomen nonverbalen Intelligenztests (SON-R) eingesetzt werden. Die Anwendung psychometrischer Testverfahren ist bei von einer Autismus-Spektrum-St\u00f6rung betroffenen Kindern aber in vielen F\u00e4llen nicht in jedem Alter m\u00f6glich, so dass dann die Einsch\u00e4tzung des Entwicklungsstandes und des intellektuellen Leistungsniveaus nur orientierend nach klinischer Beobachtung in der Untersuchungssituation erfolgen kann.<\/p>\n<p><strong>Medizinische Diagnostik:<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich muss gekl\u00e4rt werden, ob<\/p>\n<p>&#8211; eine andere St\u00f6rung als Autismus das klinische Bild hervorruft (Differentialdiagnose)<\/p>\n<p>&#8211; zus\u00e4tzlich zur Autismus-Spektrum-St\u00f6rung ein spezifisches genetisches Syndrom besteht (Syndrom-Diagnose)<\/p>\n<p>&#8211; zus\u00e4tzlich zur Autismus-Spektrum-St\u00f6rung weitere St\u00f6rungen hinzutreten (Feststellung von Komorbidit\u00e4t)<\/p>\n<p>Die k\u00f6rperliche und neurologische Untersuchung (B) wird von einem mit der k\u00f6rperlichen, neurologischen und psychosozialen Entwicklung von Kindern erfahrenen Arzt durchgef\u00fchrt. Hierbei wird besonders auf sogenannte Dysmorphiezeichen (typisches Aussehen bei bestimmten Syndromen) bzw. neurologische Symptome geachtet.<\/p>\n<p>Da Menschen mit Autismus eine deutlich erh\u00f6hte Inzidenz von Anfallsleiden aufweisen, sollte ein Elektroenzephalogramm (EEG) abgeleitet werden (B). Durch ein Schlaf-EEG (I)<\/p>\n<p>kann z.B. die erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom) abgegrenzt werden.<\/p>\n<p>Bei Hinweisen auf ein Syndrom mit Autismus-Spektrum-St\u00f6rung kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns weitere Aufkl\u00e4rung schaffen (I). Eine routinem\u00e4\u00dfige Untersuchung mit MRT bei Autismus hat sich nicht als sinnvoll erwiesen.<\/p>\n<p>In jedem Fall ist eine sorgf\u00e4ltige Untersuchung von H\u00f6ren und Sehen notwendig (B).<\/p>\n<p><strong>Differentialdiagnose:<\/strong><\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Wesentliche Differentialdiagnosen im Kindesalter sind: Bindungsst\u00f6rungen, Schizophrenie mit ungew\u00f6hnlich fr\u00fchem Beginn, schwere Sinnesbeeintr\u00e4chtigungen, rezeptive Sprachst\u00f6rung, Intelligenzminderung mit einer Verhaltensst\u00f6rung.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wesentliche Differentialdiagnosen im Jugendalter sind au\u00dferdem: Zwangsst\u00f6rung, schizotype St\u00f6rung und Schizophrenie.<\/p>\n<p>Kinder mit einer schweren Bindungsst\u00f6rung k\u00f6nnen autistisch wirken. Gr\u00fcndliche Anamnese sowie der Entwicklungsverlauf in einem f\u00f6rdernden Milieu kl\u00e4ren die Diagnose.<\/p>\n<p>Kinder mit einer rezeptiven bzw. expressiven Sprachst\u00f6rung k\u00f6nnen im Kleinkindalter autistisch anmutendes Verhalten zeigen. Allerdings sind Spielverhalten und nonverbale Kommunikation in der Regel nicht betroffen.<\/p>\n<p>Geh\u00f6rlosigkeit bzw. Blindheit k\u00f6nnen vor allem in der S\u00e4uglings- und Kleinkinderzeit zu deutlichen Verz\u00f6gerungen und Auff\u00e4lligkeiten in der Entwicklung der Kommunikation, der sozialen Interaktion und auch der kognitiven Funktionen f\u00fchren. Die Verhaltensweisen \u00e4hneln denen autistischer Kinder zum Teil sehr, die Behandlung erfordert aber ein v\u00f6llig anderes Vorgehen.<\/p>\n<p>Mutismus l\u00e4sst sich leicht ausschlie\u00dfen, da diese Kinder zumindest gegen\u00fcber manchen Bezugspersonen normales Kommunikations- und Interaktionsverhalten zeigen.<\/p>\n<p>Bei \u00e4lteren Kindern und Jugendlichen auftretende schizophrene Psychosen lassen sich meist durch sogenannte Positivsymptome (Wahn, Halluzination) von Autismus abgrenzen. Zudem liegt immer eine l\u00e4ngere unauff\u00e4llige Entwicklung vor der Erkrankung vor.<\/p>\n<p><strong>Syndrome:<\/strong><\/p>\n<p>Ergeben sich bei der Untersuchung Hinweise auf ein spezifisches genetisches Syndrom, ist eine genetische Untersuchung in Form einer Chromosomenanalyse bzw. je nach Anfangsverdacht in Form einer entsprechenden molekulargenetischen Untersuchung angezeigt (I).<\/p>\n<p>Gelegentlich assoziiert mit Autismus ist z.B. das Fragile X-Syndrom. Aber auch das Rett-Syndrom, die Tuber\u00f6se Hirnsklerose, das Williams-Beuren-Syndrom und viele andere Syndrome weisen vermehrt autistische Verhaltensweisen auf.<\/p>\n<p>Eine Stoffwechseluntersuchung (I) kann z.B. eine Phenylketonurie aufdecken.<\/p>\n<p><strong>Komorbidit\u00e4t:<\/strong><\/p>\n<p>Einige St\u00f6rungen treten bei Menschen mit Autismus \u00fcberzuf\u00e4llig h\u00e4ufig auf und werden als komorbide St\u00f6rungen bezeichnet. Kinder und Jugendliche k\u00f6nnen psychiatrische Erkrankungen entwickeln wie Ticst\u00f6rungen, Hyperaktivit\u00e4t mit St\u00f6rungen der Aufmerksamkeitsleistungen, Angst- und Zwangsst\u00f6rungen, Depressionen, Phobien, St\u00f6rung des Sozialverhaltens, Ess-St\u00f6rungen, Schlafst\u00f6rungen, Ausscheidungsst\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Indikationen f\u00fcr Therapien und p\u00e4dagogische F\u00f6rderma\u00dfnahmen:<\/p>\n<p>Nach Diagnosestellung wird in Abstimmung mit der Familie ein Behandlungsplan erstellt. Autismusspezifische F\u00f6rderung wird von Autismustherapiezentren angeboten. Fr\u00fchf\u00f6rderma\u00dfnahmen verbessern die Prognose junger autistischer Kinder signifikant. Diese k\u00f6nnen durch Autismuszentren oder p\u00e4dagogische Fr\u00fchf\u00f6rderstellen erfolgen. Eltern und andere Bezugspersonen sollten in das Behandlungskonzept eng eingebunden werden.<\/p>\n<p>Bei erheblichen komorbiden psychischen St\u00f6rungen sind psychotherapeutische Ma\u00dfnahmen notwendig.<\/p>\n<p>Je nach Bedarf des Kindes sind weitere Therapien indiziert wie Ergotherapie, Logop\u00e4die oder Physiotherapie.<\/p>\n<p>Es erfolgt Beratung und Unterst\u00fctzung bei der Auswahl geeigneter Kinderg\u00e4rten, Schulen und ggf. notwendiger Integrationshilfen.<\/p>\n<p>Die Kernsymptomatik der Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen ist nicht medikament\u00f6s behandelbar. Bei Bedarf wird jedoch eine medikament\u00f6se Behandlung der Begleitsymptomatik (z. B. aggressives \/ autoaggressives Verhalten) und der begleitenden, komorbiden St\u00f6rungen erwogen. Dabei sollte ber\u00fccksichtigt werden, dass bei Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen Medikamente h\u00e4ufig in der Dosierung angepasst werden sollten (geringere Dosis) und Nebenwirkungen h\u00e4ufiger auftreten.<\/p>\n<p><strong>Aufkl\u00e4rung und Beratung der Eltern:<\/strong><\/p>\n<p>Die Eltern werden \u00fcber die Diagnose und ihre Besonderheiten, die Genese, die m\u00f6gliche Prognose, Kontaktadressen und Selbsthilfegruppen aufgekl\u00e4rt. Sie werden \u00fcber sozialrechtliche Anspr\u00fcche informiert (Behindertenausweis, Pflegegeld, Eingliederungshilfen etc.).<\/p>\n<p>Das Kind und seine Familie sollten zur weiteren Beratung und Koordination der Ma\u00dfnahmen durch einen Facharzt f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie und \u2013psychotherapie oder durch ein Sozialp\u00e4diatrisches Zentrum (SPZ) langfristig begleitet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Standards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen &#8211; Teil 3<\/strong><br \/>\n<strong>Erarbeitet von der Projektgruppe Diagnostik<\/strong><br \/>\n<strong>Bearbeitungsstand: M\u00e4rz 2013<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00fcherkennung von fr\u00fchkindlichem Autismus\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Eine m\u00f6glichst fr\u00fche Diagnose birgt die Chance, fr\u00fch durch gezielte intensive F\u00f6rderma\u00dfnahmen den Verlauf einer autistischen St\u00f6rung positiv zu beeinflussen und der Manifestation von Problemverhalten vorzubeugen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig birgt eine fr\u00fche Diagnose aber auch das Risiko der Fehlerhaftigkeit, da einzelne Symptome im falschen Zusammenhang interpretiert werden k\u00f6nnten oder sich im Laufe der Entwicklung anders ausgestalten (siehe hierzu den Absatz \u201eDifferentialdiagnose\u201c im Textteil \u201eStandards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen\u201c).<\/p>\n<p>Ein Kriterium zur Diagnose des fr\u00fchkindlichen Autismus ist die abweichende Entwicklung schon vor dem 3. Lebensjahr. Oft ist diese erst in der R\u00fcckschau feststellbar.<\/p>\n<p>Mit den heutigen diagnostischen M\u00f6glichkeiten kann in der Regel noch keine verl\u00e4ssliche Diagnose vor dem 36. Lebensmonat gesichert gestellt werden. Bei Kindern unter drei Jahren empfiehlt es sich daher, von einem Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-St\u00f6rung zu sprechen. Wichtig sind dann engmaschige Verlaufskontrollen. Bei dringendem Verdacht sollten unbedingt zeitnah autismusspezifische F\u00f6rderma\u00dfnahmen nachdr\u00fccklich empfohlen werden.<\/p>\n<p>Nur bei sehr eindeutiger Symptomatik ist eine Diagnose schon ab dem 24. Lebensmonat m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich erkl\u00e4ren sich die fr\u00fchen Symptome aus der qualitativ ver\u00e4nderten sozialen Wahrnehmung bei Kindern mit Autismus.<\/p>\n<p>Durchg\u00e4ngig k\u00f6nnen folgende Bereiche zum Teil schon sehr fr\u00fch auff\u00e4llig sein:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das L\u00e4cheln: Es tritt auf, ist aber nicht auf eine Person gerichtet und hat wenig soziale Funktion.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die gemeinsame Aufmerksamkeit: Das aktive, mit Emotion (z.B. Freude) verbundene Zeigen auf Personen oder Gegenst\u00e4nde, das sich in Gesten, Mimik oder Vokalisation ausdr\u00fccken kann, und mit Blickkontakt einhergeht, ist deutlich reduziert. Dagegen ist dem Kind das so genannte \u201eBefehlszeigen\u201c, mit dem es etwas erreichen m\u00f6chte, m\u00f6glich. Das Kind \u201elangt nach erw\u00fcnschten Objekten\u201c (mit ganzer Hand statt mit Zeigefinger), d.h. es agiert rein bed\u00fcrfnisbezogen und nicht kommunikativ. Dazu ergreift es auch oft als \u201eWerkzeug\u201c die Hand der Bezugsperson.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die wechselseitige \u00dcbernahme der \u201eF\u00fchrungsrolle\u201c im gemeinsamen Spiel, das Initiativeergreifen, etwas Neues im Spiel anzufangen, ist nicht m\u00f6glich. Kinder mit Autismus besch\u00e4ftigen sich oft allein, achten nicht auf andere.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das \u201eSpielverhalten\u201c ist eher stereotyp, an Details orientiert, nicht der eigentlichen Funktion des Spielmaterials entsprechend, es werden z.B. bewegliche Teile gedreht, Oberfl\u00e4chen bef\u00fchlt oder gerieben.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Besonderheiten in der sensorischen Verarbeitung mit \u00dcber- oder Unterempfindlichkeiten in den Bereichen Schmecken, Riechen, F\u00fchlen, H\u00f6ren, Sehen sind zu beobachten, ohne dass die Sinnesfunktionen an sich beeintr\u00e4chtigt sind.<\/p>\n<p>Erste Warnzeichen f\u00fcr fr\u00fchkindlichen Autismus k\u00f6nnen die unten aufgef\u00fchrten Symptome sein, sie m\u00fcssen aber nicht zwingend auftreten. Wenn Eltern sich diesbez\u00fcglich Sorgen machen, ist eine umfangreiche und differenzierende Entwicklungsdiagnostik notwendig, die auch Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen mit einschlie\u00dft (siehe \u201eStandards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen\u201c).<\/p>\n<p>Im ersten Lebensjahr u.a.:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das erste soziale L\u00e4cheln tritt verz\u00f6gert und selten auf oder ist nicht vorhanden.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Baby reagiert auf K\u00f6rperkontakt ablehnend, macht sich steif, schreit, ist aber wieder zufrieden, wenn es f\u00fcr sich alleine in der Wiege liegt.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Seltener: Das Kind verlangt extrem nach K\u00f6rperkontakt, will immer K\u00f6rperkontakt haben.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Kind nutzt kaum Zeigegesten, bringt den Bezugpersonen selten oder keine Objekte, um sie gemeinsam zu betrachten.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es lautiert wenig, kommuniziert nicht \u00fcber Gesten wie Zeigen, Winken.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Kind zeigt einen reduzierten Blickkontakt, hat einen leeren Blick.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es reagiert kaum auf seinen Namen, wirkt manchmal wie taub.<\/p>\n<p>Im zweiten Lebensjahr verdichten sich u.a. die oben genannten Symptome:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Kleinkind hat keine oder seltener stabile Interaktion mit seinen Bezugspersonen, es teilt die Aufmerksamkeit nicht und kann sich nicht gemeinsam mit anderen auf ein Thema oder ein Objekt beziehen.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Sprache entwickelt sich nicht oder stagniert in der Entwicklung oder die sprachliche Entwicklung ist um das zweite Lebensjahr herum r\u00fcckl\u00e4ufig. Auf jeden Fall ist die Sprachentwicklung stark auff\u00e4llig.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es treten sich wiederholende Bewegungen, sogenannte Stereotypien, auf.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Beim Kind sind keine \u201eso \u2013 tun \u2013 als \u2013 ob\u201c &#8211; Spiele zu beobachten.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Kind imitiert kaum oder gar nicht.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig vom Lebensalter k\u00f6nnen folgende Probleme bei fr\u00fchkindlichem Autismus in Kombination mit oben genannten Symptomen auftreten:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein- und Durchschlafst\u00f6rungen.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Verweigerung der Nahrungsaufnahme, Nahrungsaufnahme nur von bestimmten Lebensmitteln.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Verdauungsst\u00f6rungen.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auff\u00e4llige Schwierigkeiten bei allt\u00e4glichen Abl\u00e4ufen im Bereich der Pflege und Versorgung sowie Aufsicht.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Fixierung auf bestimmte Bezugspersonen, T\u00e4tigkeiten, Objekte und Handlungsabl\u00e4ufe.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schwere Wutausbr\u00fcche, emotionale Instabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Selbststimulationen, autoaggressives Verhalten.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Motorische Unruhe.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sozialer R\u00fcckzug.<\/p>\n<p>Weitere differenzierte Symptome siehe:<\/p>\n<p>Checkliste zur Erfassung fr\u00fcher Symptome des Autismus (CESA) in: F. Poustka, S. B\u00f6lte, S. Feineis-Matthews, G. Schm\u00f6tzer, Autistische St\u00f6rungen (2004), Hogrefe, G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Weitere Hinweise :<\/p>\n<p>Informationen des Qualit\u00e4tszirkels der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Sozialp\u00e4diatrie und Jugendmedizin e.V. zu Autistischen St\u00f6rungsbildern:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dgspj.de\/qualitaetssicherung\/papiere-der-qualitaetszirkel\">http:\/\/www.dgspj.de\/qualitaetssicherung\/papiere-der-qualitaetszirkel<\/a><\/p>\n<p>Ergebnisse von \u00dcbersichtsarbeiten und Metaanalysen in: Inge Kamp-Becker et. al.: Diagnostik und Therapie von Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen im Kindesalter in: Kindheit und Entwicklung 19 (3), 144-157, Hogrefe, G\u00f6ttingen 2010.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Standards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen Eine Stellungnahme der LAG Autismus Niedersachsen Als PDF-Datei herunterladen: Diagnosestandard_Lu_2013-04-21 &nbsp; Standards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen &#8211; Teil 1 Erarbeitet von der Projektgruppe Diagnostik Bearbeitungsstand: Juni 2012 Einleitung Mit dieser Stellungnahme m\u00f6chten wir darlegen, was die in der Projektgruppe \u201eDiagnostik\u201c des<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":344,"menu_order":9,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-473","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/473","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=473"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/473\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1415,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/473\/revisions\/1415"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}