{"id":518,"date":"2015-07-07T20:32:43","date_gmt":"2015-07-07T18:32:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/?page_id=518"},"modified":"2015-07-07T20:32:49","modified_gmt":"2015-07-07T18:32:49","slug":"autismus-in-niedersachsen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.autismus-niedersachsen.de\/?page_id=518","title":{"rendered":"Autismus in Niedersachsen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autismus in Niedersachsen<\/strong><\/p>\n<p>Das Wort \u201eAutismus\u201c wird von dem griechischen Wort \u201eautos\u201c abgeleitet und bedeutet \u201eselbst, eigen\u201c. Somit wird im Begriff Autismus das wesentliche Merkmal autistischer Menschen, ihre Selbstbezogenheit, beschrieben. Autismus ist eine im Kindesalter einsetzende tief greifende Entwicklungsst\u00f6rung. Bisher unterschied man vorwiegend zwischen fr\u00fchkindlichem Autismus (auch Kanner-Autismus genannt) und dem Asperger-Syndrom. Mit dem Erescheinen des neuen Diagnoseschl\u00fcssels DSM 5 im Jahr 2013 gehen diese beiden Begriffe in der Bezeichnung \u201eAutismus Spektrum St\u00f6rung\u201c auf.<\/p>\n<p>Das Autismus-Spektrum ist diagnostisch durch das Zusammentreffen von Einschr\u00e4nkungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch eingeschr\u00e4nkte oder stereotype Verhaltensweisen definiert. Die spezifische Diagnose einer Autismus-Spektrum-St\u00f6rung wird gestellt, wenn diese Einschr\u00e4nkungen als Entwicklungsst\u00f6rungen bei einem Kind oder Erwachsenen \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit beobachtbar sind. Dabei unterscheidet sich der Autismus in seinem Gesamtbild und der St\u00e4rke der Einschr\u00e4nkung bei jedem Menschen.<\/p>\n<p>Die Ursachen des Autismus sind weitgehend unbekannt. Trotz intensiver weltweiter Forschung konnte bis jetzt keine klare Ursache f\u00fcr Autismus erkannt werden. Angenommen werden derzeit eine genetische Disposition und das Einwirken von Umweltfaktoren. Kennzeichnend f\u00fcr die urs\u00e4chliche Erscheinung in einem autistischen Menschen selbst ist eine von der Norm abweichende sensorische Wahrnehmung und neuronale Informationsverarbeitung. Die Folge daraus ist eine geringe Stresstoleranz und eine soziale und kommunikative Einschr\u00e4nkung bis hin zur Entwicklungsst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Eine Reduzierung der autismusspezifischen Einschr\u00e4nkungen ist abh\u00e4ngig vom Entwicklungsstand, also der F\u00e4higkeit zur allgemeinen Lebensbew\u00e4ltigung des Betroffenen. Eine fr\u00fche Diagnose und damit eine fr\u00fch einsetzende autismusspezifische F\u00f6rderung werden allgemein als vorteilhaft f\u00fcr den Verlauf der Entwicklung angesehen. Betroffene Menschen und ihre Familien ben\u00f6tigen oft langwierige und kontinuierliche Unterst\u00fctzung, gegebenenfalls sogar lebenslang. Der Unterst\u00fctzungsbedarf variiert bei jedem Betroffenen und ist bei Menschen mit niedrigem Entwicklungsniveau am h\u00f6chsten.<\/p>\n<p>Die H\u00e4ufigkeit von Autismus in Deutschland ist eine hei\u00df diskutierte Frage. In zwei Studien im Jahr 1988 wird die Pr\u00e4valenz auf 10 bzw. 13 pro 10.000 Personen gesch\u00e4tzt, 1993 sch\u00e4tzten Ehlers und Gillberg die H\u00e4ufigkeit von Autismus und dem Asperger-Syndrom zusammen auf 30 von 10.000. Im Jahr 2000 und in den folgenden Jahren nennen mehrere Studien eine H\u00e4ufigkeit von ca. 60 pro 10.000. 2006 erschien eine Studie von Gillian Baird et al., laut der 1,16% der Personen im Autismus-Spektrum sind \u2013 also 116 von 10.000.<\/p>\n<p>Allgemein ist ein kontinuierlicher Anstieg an Autismus-Diagnosen zu verzeichnen. Ende der 80er Jahre wurde die Definition von Autismus ausgeweitet und das Asperger-Syndrom und atypischer Autismus wurden mit in die Diagnose Autismus aufgenommen. Dadurch bekamen mehr Personen Diagnosen aus dem Autismus-Spektrum. Zum anderen wird der Anstieg an Autismus-Diagnosen auf eine bessere Forschung und eine gr\u00f6\u00dfere Bekanntheit von Autismus in der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von den gestiegenen M\u00f6glichkeiten der fr\u00fchzeitigen Diagnose zeigt sich eine reale Zunahme von Autismus Spektrum St\u00f6rungen in der Bev\u00f6lkerung. In den USA verzeichnete man einem Anstieg von Autismus um 57 % zwischen 2002 und 2006. Als Gr\u00fcnde hierf\u00fcr werden vor allem Umweltfaktoren angenommen. Besonders kontrovers wird dabei die Vermutung diskutiert, Quecksilberzus\u00e4tze in Impfstoffen k\u00f6nnten Autismus ausl\u00f6sen. Das Verh\u00e4ltnis von Jungen zu M\u00e4dchen mit Autismus lag bisher bei 4:1 und hat sich durch eine bessere Diagnostik nach neuesten Erhebungen von Prof. Vogeley auf jetzt 2:1 verringert.<\/p>\n<p><strong>Inklusion und Teilhabe<\/strong><\/p>\n<p>Am13.12.2006 wurde die UN-Konvention \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderung von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und ist seit dem 26.03.2009 auch in Deutschland in Kraft. Sie beinhaltet 50 Artikel mit teilweise sehr pr\u00e4zisen Regelungen zum Schutz und zur F\u00f6rderung der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die daraus erwachsenen Verpflichtungen der L\u00e4nder geben weit reichende Anregungen f\u00fcr die Weiterentwicklung der Behindertenhilfe und erg\u00e4nzen bereits bestehende Gesetze, wie z. B. SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe), SGB XII oder das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG).<\/p>\n<p>Mit Forderungen nach \u201eInklusion\u201c und der \u201euneingeschr\u00e4nkten Teilhabe\u201c geht die Konvention weit \u00fcber die aktuelle Gesetzgebung hinaus. Die Konvention h\u00e4lt fest, \u201edass alle Menschenrechte und Grundfreiheiten allgemein g\u00fcltig und unteilbar sind\u201c und dass Menschen mit Behinderungen \u201eder volle Genuss dieser Rechte und Freiheiten ohne Diskriminierung garantiert werden muss\u201c. Dies betrifft z. B. eine unabh\u00e4ngige Lebensf\u00fchrung und Teilhabe (Art. 19), Bildung (Art. 24), Gesundheit (Art. 25) und Arbeit und Besch\u00e4ftigung (Art. 27). Neben der Erschlie\u00dfung gesellschaftlicher Ressourcen zur Mitgestaltung und Teilhabe, spielt die Entwicklung individueller F\u00e4higkeiten eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Das setzt voraus, dass es autismusspezifische Angebote und Wahlm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Betroffenen gibt und dass die Angebote auch f\u00fcr Menschen mit autistischen Einschr\u00e4nkungen zug\u00e4nglich, verst\u00e4ndlich und erfahrbar sind. Selbstbestimmung ist eng verkn\u00fcpft mit kommunikativen und sozialen F\u00e4higkeiten. Gerade im Bereich der Kommunikation gibt es aber f\u00fcr Menschen mit Autismus einen enormen Entwicklungsbedarf. Eine weitgehend selbst bestimmte Gestaltung des eigenen Lebens ist ihnen daher oftmals nur m\u00f6glich, wenn die soziale Interaktion und Kommunikation gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p><strong>Diagnose und Therapie<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland gilt, dass eine wirklich zuverl\u00e4ssige Diagnose mit dem St\u00f6rungsbild \u201eAutismus\u201c nicht vor dem 4. Lebensjahr m\u00f6glich ist. Es gibt recht zuverl\u00e4ssige Anzeichen, die bereits mit 18 Monaten auftreten, jedoch oft nicht so gewertet werden. Eine Diagnose zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr kann bereits gestellt werden. Sie ist aber nicht so zuverl\u00e4ssig wie zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt. Es gibt einige diagnostische Materialien, die f\u00fcr eine fr\u00fche Verdachtsdiagnose hilfreich sein k\u00f6nnen. Der ADOS (Diagnostische Beobachtungsskala f\u00fcr Autistische St\u00f6rungen) ist die international am h\u00e4ufigsten angewandte, strukturierte und am besten evaluierte Beobachtungsskala zur Erfassung autistischer St\u00f6rungen. Sie ist angelehnt an die Diagnoseschl\u00fcssel ICD &#8211; 10 \/ DMS-IV. Eine ausf\u00fchrliche Stellungnahme der Arbeitsgruppe Diagnostik zu Standards der Autismusdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen finden Sie auf der Webseite der Landesarbeitsgemeinschaft Autismus Niedersachsen.<\/p>\n<p>Anhand der diagnostischen Ergebnisse ergeben sich f\u00fcr jeden Betroffenen individuelle autismusspezifische Therapieans\u00e4tze. Besonders wichtig ist die F\u00f6rderung in den Bereichen der sozialen Interaktion, der Kommunikation, der Wahrnehmung, der Motorik und der Selbstst\u00e4ndigkeit bei z.B. der Umwelterkundung, Orientierung, Alltagsbew\u00e4ltigung, Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten, Interessen und Verkehrsverhalten. Gezielt muss das Verhalten gef\u00f6rdert werden, das dem Menschen mit Autismus die aktive Teilnahme an sozialen Erfahrungen erm\u00f6glicht und Kinder dar\u00fcber hinaus vor einer zunehmenden Entwicklungsabweichung sch\u00fctzt. Ziel jeder Form der Therapie und F\u00f6rderung sollte es sein, einzelne Symptome zu mildern oder abzubauen, um dem Menschen mit Autismus und seinen Angeh\u00f6rigen ein Maximum an Lebensqualit\u00e4t zu verschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autismus in Niedersachsen Das Wort \u201eAutismus\u201c wird von dem griechischen Wort \u201eautos\u201c abgeleitet und bedeutet \u201eselbst, eigen\u201c. Somit wird im Begriff Autismus das wesentliche Merkmal autistischer Menschen, ihre Selbstbezogenheit, beschrieben. Autismus ist eine im Kindesalter einsetzende tief greifende Entwicklungsst\u00f6rung. 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